Neueste Zahlen: Amazon vereinigt ca. 1/3tel des deutschen E-Commerce auf sich

„Amazon wird zum kommerziellen Betriebssystem des deutschen Online-Handels“

– so Achim Himmelreich, Vizepräsident des Bundesverbandes digitale Wirtschaft, der in einer CEO Diskussionsrunde auf der Digitalkonferenz NEOCOM auf der Bühne stand. Diese Aussage wird von den neusten Zahlen des IFH (Institutes für Handelsforschung) untermauert, die ermittelt haben, dass Amazon mit einem Umsatz von 13,3 Mrd EUR (Amazon + Marketplace) aktuell 31% des deutschen E-Commerce Umsatzes auf sich vereint. Dabei sind allein die Marketplace Umsätze im letzten Jahr um 1,5 Mrd EUR gestiegen und immer mehr Marken und Händler beginnen erst jetzt mit einer ernsthaften Amazon Strategie – es ist entsprechend noch mit einer deutlichen Beschleunigung beim Wachstum und weiteren Netzwerkeffekten zu rechnen.

Weiteres Indiz für ein weiteres Amazon Wachstum sind neue Kategorien auf dem Marktlatz. So wurde gerade bekannt gegeben, das Amazon eine Kategorie für Handgemachtes eröffnet hat, mit 5.000 Händlern und 80.000 Produkten und damit Marktplätze wie DaWanda und Etsy Umsätze streitig machen will.

http://neuhandeln.de/neocom-amazon-wird-betriebssystem-fuer-e-commerce/

Versteinerte Ansichten blockieren die Zukunftsfähigkeit

Die stetig geführte Diskussion über das Freund oder Feind von Amazon ist jedoch von endlosen Wiederholungen immer gleicher Argumente und Vorbehalte geprägt.

Die Diskussionsteilnehmer würden gut daran tun, einmal den Blick vom eigenen Geschäft zu lösen und auf die nächst höhere Ebene zu wechseln. Wir befinden uns mitten in einem gesellschaftlichen Wandel, denn die Digitalisierung hat uns die Freiheit und Verfügbarkeit der Information und damit ein hohes Maß an Transparenz gebracht.

Händler beklagen doch nun nur eins, dass das historische und sehr regionale Konstrukt von Märkten und Beschaffung im Einzelhandel, welches von Intransparenz und  fehlendem Wettbewerb geprägt war, nun ohne ihr Einverständnis plötzlich aufbricht.

Früher Täter – heute Opfer?

Hatten Händler denn früher stets den Nutzen und den Vorteil des Konsumenten im Blick? Diese Frage kann getrost mit einem „na ja, zumindest manchmal“  oder „teilweise-eher selten“ beantwortet werden. Die Discounter einmal ausgenommen, war der Einzelhandel vielfach bestrebt seine Geschäfte hübsch zu machen, seine Margen zu verteidigen und Wettbewerb zu unterbinden. Organisiert in Filialunternehmen, Einkaufsverbänden und Gruppen ist dieser mit den Herstellern und Lieferanten vielfach so umgegangen, wie er es heute an sich selbst erfährt – entweder spuren, oder ausgetauscht werden. Wollte ein Hersteller selbst Kontakt zum Konsumenten aufbauen – dann wird reflexartig mit Auslistung gedroht. Immer neue Listungsgebühren, WKZ, Konsignationsläger, Rabatte, Verfügbarkeitsanforderungen, einseitig unverbindliche Dispomengen, Regalservice und pauschale Garantierabatte wurden eingeführt. Der Handel hat gerne und viel auf die Lieferanten abgewälzt, um seine eigenen Margen zu optimieren. Wer mit neuen oder innovativen Produkten auf die Fläche wollte, musste sich sein Entree oft teuer erkaufen und teilweise sogar die Bestände des aktuellen Lieferanten inklusive aller Altwaren zu Verkaufspreisen aufkaufen, um auf seinen zukünftigen Verkaufsregalen Platz zu machen! Und was war mit dem Konsumenten, na klar gab es Wettbewerb, der wurde auch als „hart“ bezeichnet – aufgrund der Regionalität des Wettbewerbs fand dieser aber in einer ganz anderen Intensität statt als jetzt.

Die Regeln haben sich geändert, die Händler auch?

Der E-Commerce bringt den Handel jetzt entweder dazu zu verstehen was sein Vorteil ist, nämlich der direkte Zugang zum Kunden, lässt ihn erkennen was der Konsument wünscht – und das ist Transparenz, Offenheit und Information gepaart mit konkurrenzfähigen Preisen – oder er wird aus dem sich intensivierenden Wettbewerb bei gleichzeitigem Margendruck die Konsequenzen ziehen müssen. Wer Amazon und den E-Commerce als Feind bezeichnet, der hat den gesellschaftlichen Wandel und die Digitalisierung offensichtlich falsch eingeschätzt und sucht nun nach einem Sündenbock für die eigene Unterlassung (digitaler Wandel und eigene Produkte statt logistischer Erfüllungsgehilfe von Drittmarken zu sein) der Vergangenheit. Bei der Suche nach einem Sündenbock ist der Blick aber stets rückwärts gerichtet und nie in die Zukunft.

Voraussagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen!

Natürlich ist die heutige Situation für den Handel nicht leicht. Auch die Hersteller kennen vielfach noch kein passendes Rezept mit den Veränderungen umzugehen, doch wer die Herausforderung und die Chance nicht annimmt, der ist auch nicht bereit für die neuen Strukturen, in die sich der Handel transformiert. Es wird weh tun und Risiken müssen eingegangen werden, denn tiefgreifende Veränderungen und die Zukunft sind immer schmerzhaft und schwierig vorauszusehen.

 

 

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