Prestashop – modulare Shoplösung zum Nulltarif

Im zweiten Teil unserer Artikelserie zum Thema “So finden Sie die passende Open Source-Shopsoftware” wollen wir Ihnen Prestashop ausführlich vorstellen. Über 130.000 Händler weltweit setzen die Software bereits ein, über 2,5 Millionen Mal wurden die Installationsdateien bereits herunter geladen. Trotzdem erreicht Prestashop in Deutschland bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad von Lösungen wie Magento oder Oxid eShop. Dabei kann die Shopsoftware mit vielen Vorteilen punkten, hat aber auch ihre Tücken, wie wir Ihnen im Laufe des Artikels erläutern werden.

Nur die kostenlose Version verfügbar

Prestashop ist ein französisches CMS-Shopprojekt auf PHP-Basis und lief ursprünglich unter der Firmierung “phpopenstore“. Im Gegensatz zu vielen anderen Open Source – Projekten finden Sie auf der Projektseite nur eine einzige, kostenlose Programmversion, die Sie ohne Registrierung und Anmeldung herunterladen können. So genannte Professional oder Enterprise- Editionen, die mit mehr Funktionen und Support angeboten werden, gibt es bei Prestashop also nicht. Bezahlen müssen Sie bei Prestashop nur, wenn Sie sich auf der Projektseite online für eine Shoplösung mit integriertem Hosting beim Anbieter A2 Hosting entscheiden – ab 5,99 US-Dollar pro Monat wird Ihr Shop Sie dann kosten.

Geringe Anforderungen an den Server

Wenn Sie Ihren Prestashop bei einem Anbieter Ihrer Wahl hosten lassen wollen, dürfte Sie dies vor keine großen Probleme stellen. Der Prestashop präsentiert sich in punkto Serveranforderung nämlich als sehr genügsam. Alles, was Sie benötigen ist ein Webserver, auf dem Apache, Nginx oder Windows Server mit IIS als Betriebssystem installiert ist. Zusätzlich werden dann nur noch PHP ab Version 5.1 und MySQL ab Version 5.0 als Datenbank benötigt. Konkrete Empfehlungen zur Hardware nennt der Anbieter nicht. Einer der großen Vorteile von Prestashop ist sein modularer Aufbau. So bringt die Installationsdatei gerade einmal schlanke 16 MB auf die digitale Waage. Trotz der geringen Größe erhalten Sie damit bereits eine vollwertige Online Shop – Lösung mit aktuell über 310 Funktionen. Wollen Sie neue Funktionen hinzufügen, finden Sie im “Official Marketplace” über 2.000 zusätzliche Module und Designvorlagen – teilweise sind diese Addons kostenlos, teilweise aber auch kostenpflichtig.

Quelle/Screenshot Prestashop.com

Quelle/Screenshot Prestashop.com

Installieren und loslegen

Bereits in der Basisversion bringt der Prestashop alles mit, was man für einen erfolgreichen Online Shop braucht. So können Sie bereits auf 16 integrierte Schnittstellen zu Zahlungsanbietern zurückgreifen, so dass Sie Ihren Kunden zum Beispiel die Zahlung per Kreditkarte, Rechnung (mit Schutz vor Zahlungsausfall durch den Dienstleister Klarna) oder Paypal anbieten können. Wollen Sie weitere Zahlungslösungen wie zum Beispiel “Bezahlen über Amazon” hinzufügen, finden Sie die entsprechenden Module im Official Marketplace und können diese per Klick sofort in Ihren Shop integrieren.

Umfangreiche Präsentationsmöglichkeiten

Bevor jedoch die ersten Kunden in Ihrem Store auf Shopping-Tour gehen, müssen Sie diesen natürlich gestalten und Produkte sowie Kataloge anlegen. Auch Nutzer ohne technische Vorkenntnisse werden sich hierbei gut zurechtfinden und schnell ansprechende Ergebnisse erzielen. Beim Thema Design können Sie auf vorgefertigte Themes setzen und diese individualisieren, oder aber komplett frei Ihren Shop gestalten. Ähnliches gilt auch für die Produktpräsentation, wo bereits der Basisshop viele nützliche Features mitbringt. So können Sie Ihren Kunden beispielsweise Ihre Produkte anhand mehrerer Bilder präsentieren und dank einer Zoomfunktion auch Details sichtbar machen. Auch die Meinungen anderer Kunden zum Produkt können direkt eingebunden werden – was sich inzwischen schon fast zum Standard im E-Commerce entwickelt hat. Auch hier gilt wieder: Wer noch mehr Funktionen zur Verfügung haben will, findet im Marketplace viele weitere Möglichkeiten.

Vollwertiges Backoffice ersetzt Warenwirtschaft

Prestashop bringt ein vollwertiges Backoffice mit, mit dem Sie den Live-Betrieb Ihres Online Handels organisieren können. Dazu zählt beispielsweise eine integrierte Lagerverwaltung, die automatisch an Nachbestellungen bei Ihren Lieferanten erinnert und beim Ausverkauf eines Produktes diesen Shop auf “nicht verfügbar” setzt. Auch eingegangene Bestellungen können im Backoffice bequem weiterverarbeitet werden, indem beispielsweise Versandaufträge erteilt und Abholungen durch den Logistikdienstleister veranlasst werden. Statusmeldungen per Mail informieren dabei Ihre Kunden über den aktuellen Stand ihrer Bestellung. Dank dieser Funktionen können Sie Ihren Shop ausschließlich mit Prestashop organisieren und müssen nicht zwangsläufig eine Warenwirtschaftslösung zusätzlich installieren.

Anbindung an eBay und Co.

Damit Ihr Shop sich auch über zahlreiche Aufträge freuen kann, bringt Prestashop bereits integrierte Schnittstellen zu eBay und auch zu Preissuchmaschinen mit. Zudem können Sie ohne eine zusätzliche Softwarelösung auch wichtige Marketing-Werkzeuge einsetzen. So bringt das Programm ein eigenes Newslettersystem (mit Anmeldeoption im Shopfrontend) mit. Dabei sind Sie nicht darauf beschränkt, all Ihren Kunden identische Werbemails verschicken zu müssen, sondern können sich zum Beispiel auch gezielt an Nutzer wenden, die einen Kauf im letzten Moment abgebrochen haben. Nach wie vor ist der Bereich E-Mail-Marketing einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für einen Online-Shop.

Digitale Güter verkaufen

Eine der größten Stärken dieser Shoplösung ist die Möglichkeit, auch digitale Güter zu verkaufen. Dies ist bei den meisten anderen Open-Source-Alternativen nur durch nachträgliche Anpassungen und Erweiterungen möglich. Diese Funktion ist zum Beispiel dann wichtig, wenn Sie eigene Musikstücke per MP3, Softwareprodukte oder auch Grafikvorlagen oder ähnliches als Kaufdownloads anbieten wollen. Bei Prestashop können Sie diese “virtuellen Produkte” schon in der Basisversion problemlos anlegen und dabei zum Beispiel festlegen, wie oft ein Kunde die Datei nach der Transaktion herunterladen darf.

Kaufabbrüche minimieren

Professionell gelöst ist auch der Checkout-Bereich, der für den Erfolg eines Online-Shops von entscheidender Bedeutung ist. So bietet der Prestashop die Möglichkeit, das komplette Checkout auf eine einzige Seite zu begrenzen. Ihre Kunden müssen sich also nicht durch diverse Schritte klicken, um ihre Anschrift anzugeben, die gewünschte Zahlungsart anzugeben und ein Benutzerkonto anzulegen. Jede unnötige Verzögerung im Checkout führt nachweislich zu Kaufabbrüchen, die durch diesen “One Page Checkout” vermieden werden können. Dazu passt die Option, dass Sie Ihren Kunden die Möglichkeit einräumen können, als Gast zu bestellen, ohne ein Kundenkonto anlegen zu müssen. Auch so lassen sich unnötige Kaufabbrüche vermeiden.

Statistiken decken Schwachstellen auf

Abgerundet wird das Leistungsspektrum von Prestashop durch seinen umfangreichen Statistikbereich. Hier können sich Webseller zum Beispiel detailliert über das Besucherverhalten, Besucherherkunft, Kundenprofile, die Keyword-Analyse, eingesetzte Gutscheine und Produktkennziffern informieren. All diese Daten helfen Schwachstellen im Shop aufzuspüren, das Sortiment zu optimieren und den Erfolg von Marketing-Aktivitäten zu kontrollieren. Prestashop hilft Ihnen durch diese Statistik herauszufinden, wo in Ihrem Shop noch Nachholbedarf besteht und welche Bereiche bereits jetzt von den Kunden gut angenommen werden.

Nicht rechtssicher in Deutschland nutzbar

Bei all diesen Vorteilen, die wir Ihnen in Bezug auf Prestashop inzwischen vorgestellt haben, verwundert es wahrscheinlich manche, warum diese Shoplösung sich nicht längst zum Standard in Deutschland entwickelt hat. Die Erklärung dafür liefert eine kleine, aber ganz entscheidende Schwäche, die Prestashop aufweist. Das Open Source – Projekt ist international ausgelegt. Zwar können Sie die Software in unterschiedlichen Sprachversionen – natürlich auch auf Deutsch – nutzen, doch eine lokalisierte Version erhalten Sie damit noch längst nicht. Das führt dazu, dass Sie mit Prestashop Ihren Online-Shop nicht rechtssicher betreiben können, sofern Sie nach der Einrichtung nicht noch einige wichtige Anpassungen vornehmen. So fehlt in der Basisversion beispielsweise die Möglichkeit, eine Widerrufsbelehrung einzufügen. Auch die in Deutschland inzwischen verpflichtend einzusetzende Button-Lösung sucht man bei Prestashop vergeblich. Wer trotzdem seinen Shop mit der Software gestaltet und ohne Anpassungen live schaltet, riskiert es, von Mitbewerbern abgemahnt zu werden – was mit immensen Kosten verbunden ist.

Erweitern und lokalisieren mit germanext

Wer in Deutschland seinen Webstore mit Prestashop betreiben will, sollte also vor der Live-Schaltung unbedingt noch einige Anpassungen vornehmen. Hierbei können Sie sich natürlich manuell um die entsprechenden Änderungen vornehmen, oder auf die Hilfe eines passenden Moduls setzen, das alle nötigen Anpassungen automatisch vornimmt. Hier hat die Agentur Silbersaiten Mediengruppe mit “germanext” das erste entsprechende Modul auf den Markt gebracht. Inzwischen können Sie germanext sogar kostenlos und ohne Einschränkungen nutzen. Das Modul passt den Shop dabei nicht nur an die deutsche Gesetzgebung an, sondern sorgt auch für eine deutsche Übersetzung aller Funktionen im Backend in der Standardinstallation. Um die Installation von germanext müssen Sie sich jedoch selbst kümmern. Wer einen Installationsservice sowie Supportleistungen nutzen will, muss sich für die kostenpflichtige Variante von germanext entscheiden.

Aufstrebende Alternative zu führenden Open Source – Lösungen

Ergänzt man Prestashop durch die Erweiterung germanext, erhält man eine mächtige, aber dennoch einfach zu bedienende Shopsoftware, die für kleine und große Webprojekte gleichermaßen gut geeignet und für den Betrieb in Deutschland bestens gerüstet ist. Und das zum Nulltarif! Dass Prestashop in Deutschland bisher wenig Verbreitung gefunden hat, erklärt sich hauptsächlich dadurch, dass die für den rechtssicheren Betrieb nötige Erweiterung germanext erst seit kurzem kostenlos erhältlich ist. Dies hat bislang viele Nutzer abgeschreckt und zu anderen Alternativen getrieben. In Zukunft dürfte Prestashop im deutschen E-Commerce aber eine immer größer werdende Rolle spielen. Was auch den Anstoß für die Entwicklung von Addons geben sollte, die sich auf die Bedürfnisse von deutschen Anwendern konzentrieren. Hier ist der Official Marketplace, trotz seines vielfältigen Angebots, noch etwas schwach aufgestellt. Und trotzdem: Wer eine leicht zu bedienende, aber dennoch leistungsfähige Shopsoftware sucht, findet mit Prestashop schon jetzt eine geeignete Lösung.

Shopware: Software für den deutschen Markt

Im nächsten Teil unserer Serie werden wir Ihnen einen Newcomer im Bereich Open Source – Shop-Software vorstellen: Shopware. Erst seit 2011 findet sich von diesem deutschen Projekt eine kostenlose Community-Edition. Trotzdem nutzen bereits über 10.000 Händler die Lösung. Interessant ist Shopware natürlich nicht zuletzt deshalb, weil es speziell für den deutschen Markt konzipiert wurde. Doch das ist nicht der einzige Vorzug der Software, die wir Ihnen ausführlich vorstellen werden.

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Comments

  1. Ausprobierer says:

    Hallo,

    ich habe Prestashop installiert und teste noch. Aber bin mit meinem Webhost schon über ein bedeutendes Ausschlusskriterium gestolpert. Prestashop funktioniert offenbar nicht mit shared SSL-Proxie, sondern nur mit eigenem SSL-Zertifikat. Siehe:

    “Please note that PrestaShop won’t work with our Shared SSL as the SEO URLs rewrite rules don’t work with the server paths. For PS shops, you either need to have a Dedicated IP & your own Full SSL Certificate or you need to disable SSL.”
    https://support.terranetwork.net/web/knowledgebase/125/Changing-Domain-Name-on-your-PrestaShop-install.html

    Schade, ansonsten sehr schön!

Trackbacks

  1. [...] wir im nächsten Artikel dieser Serie jedoch mit einer anderen interessanten Open-Source-Software: PrestaShop. Über 130.000 Online-Händler weltweit setzen auf PrestaShop. Gegründet wurde das [...]

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